Auf Waldrallye den Lebensraum „Alt- und Todholz“ kennengelernt
Die Jugendgruppe des Naturschutzvereins Langd führte eine Waldrallye durch, um den Wald als Lebensraum für Pflanzen und Tiere zu erkunden. Dabei galt es, auf einer Karte eingezeichnete Stationen mit ausgelegten Informationsblättern zu finden, um Fragen eines Laufzettels zu beantworten.
(VNULL / MK) Neben Holz als Rohstoffquelle für Wert- und Brennholz hat der Wald noch weitere wichtige Aufgaben: Ca. 70% des Jahresniederschlages werden über Blätter und Nadeln verdunstet. Das Wurzelwerk und die Tätigkeit der Bodentiere lockern den Waldboden auf, so dass Regenwasser schnell versickern kann und nicht auf der Oberfläche abfließt. Beide Funktionen bilden einen wichtigen Beitrag zum Hochwasserschutz. Für den Menschen ist der Wald als „der Frischluftversorger und Erholungsraum“ bedeutend. Viele seltene und bedrohte Tier- und Pflanzenarten sind auf den Lebensraum Wald angewiesen.
An der ersten Station mussten Fragen zum bekannten Buschwindröschen, dass als Charakterart von Buchen- und Eichenwäldern auf mäßig frische bis feuchte, humusreiche und tiefgründige Böden angewiesen ist, beantwortet werden. Die zweite Anlaufstelle informierte über den Lebensraum des Mittelspechtes (z.B. karminroter Scheitel) und über dessen Unterscheidungsmerkmale gegenüber dem häufigeren und bekannteren Buntspecht. Als nächstes wurde ein Standort der hohen Schlüsselblume aufgesucht, die allerdings bereits weitgehend verblüht war. Die vierte Station wies auf die Anforderungen an den Brutplatz des Rotkehlchens hin, der sich in deckungsreichen Waldstrukturen in Wäldern, Heckenlandschaften oder Gärten befindet. Die fünfte Station sollte den Jugendlichen verdeutlichen, dass ein kürzlich umgefallener Baum in den nächsten Jahren von bis zu 150 Käferarten mit über 45.000 Einzeltieren zersetzt wird, sofern er nicht der Brennholzwerbung zugeführt wird. Diese Käfer sind wiederum die lebensnotwendige Nahrungsgrundlage zahlreicher Vogelarten und Fledermäuse. Der selten gewordene Hirschkäfer, dessen Lebensraum die folgende Station sechs bildete, kommt in Mitteleuropa in alten Eichenbeständen mit hohem Todholzanteil vor. Damit der Hirschkäfer nicht noch seltener wird, muss auf die Rodung von alten und morschen Bäumen und die Beseitigung des Brutsubstrates verzichtet werden.
Der bekannte Mäusebussard baut seinen Horst zwischen ausreichend starke Astgabeln in Waldrandnähe. Aufgrund seines Körpergewichtes und des Gewichtes des Horstes kann er jüngere Bäume als Horstbaum ebenso nicht nutzen, wie andere größere Greifvögel oder der äußerst seltene Schwarzstorch. Die achte Station führte in den Lebensraum des Schwarzspechtes, dem größten europäischen Specht. Schwarzspechte legen ihre bis 80 cm tiefe Baumhöhle in Bäumen an, die mind. 80 Jahre alt und 4m astfrei sind. Da ihre Nahrung vorwiegend aus Ameisen und anderen Insekten besteht, sind sie auf Wälder mit ausreichend hohem Todholzanteil angewiesen. Zum Abschluss der Waldrallye waren am Feuchtbiotop „Windhöfchen“ noch Informationen zur Erd- und Wechselkröte zu suchen. Dieses Feuchtbiotop mit seinen Laichgewässern nutzen auch Laub-, Teich- und Grasfrosch. Die Auswertung des Laufzettels ergab, dass von beiden Teams 19 der 20 Fragen richtig beantwortet wurden.
Jugendleiter Michael Kammer
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