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Empfang der Vertreter der Uli Seibert Schule bei der Stadt Hungen

Groß war bei den Gästen aus Mosambik zunächst das Erstaunen und dann die Freude darüber, dass gerade der Vater der Namensgeberin Ihrer Schule, Hungens Erster Stadtrat Herr Walter Seibert, sie in Vertretung des Hungener Bürgermeisters empfing.





Neben dem Ersten Stadtrat begrüßten der Vorsitzende des Vereins "Schulpartnerschaft mit Mosambik e.V.", Herr Walter Exler und der Schulleiter der Gesamtschule Hungen, Herr Ingolf Höfer die Abgeordneten der Schule aus Gondola.

Diese waren bereits am vergangenen Mittwoch in Deutschland angekommen. Die ersten Tage verbrachten sie bei einem Seminar in Bielefeld.



Felizardo Bequimane & Manuel Antonio Saimone
Herr Felizardo Bequimane ist seit 2001 Direktor der Schule, die zurzeit von 738 Schülerinnen und Schülern besucht wird. Man sei daher froh, dass anstatt der bisherigen vier nunmehr acht Klassenräume zur Verfügung stehen. Dennoch muss der Unterricht quasi in zwei Schichten abgehalten werden, wobei in einer Klasse meist 50 Schülerinnen und Schüler gleichzeitig unterrichtet werden.

Für diejenigen, die nach Beendigung der 7. Klasse auf die weiterführende Schule bis zur Klasse 10 im nahe gelegenen Gondola gehen, sieht die Situation noch schlimmer aus. Dort liegen die Klassengrößen bei etwa 70 Schülern und der Unterricht erfolgt in drei Schichten bis in den Abend hinein und wird mangels vorhandener Räumlichkeiten auch in Zelten oder unter freiem Himmel abgehalten.



Felizardo Bequimane
In diesem Jahr ist für die Uli Seibert Schule eine wichtige Entscheidung gefallen. Die Schulpflicht in Mosambik geht von der 1. bis zur 7. Klasse und ist in zwei Stufen untergliedert. An den Schulen der Umgebung können die Kinder nur bis zum 5. Schuljahr unterrichtet werden. Die Uli Seibert Schule nimmt nun die Schüler in die Phase 2, das ist die 6. und 7. Klasse der Grundschule, auf. Herr Bequimane wertet dies als einen großen Sieg für seine Schule. Darüber hinaus seien die Schülerinnen und Schüler der Uli Seibert Schule hoch motiviert, nach der 7. Klasse ihre Ausbildung an der weiterführenden Schule in Gondola fortzusetzen, um damit ihre Berufsaussichten zu verbessern. Aber auch für diejenigen, die nach der Grundschule die Klassen 8 bis 10 besuchen, stehen die Chancen auf einen Arbeitsplatz nicht sonderlich gut. Es gibt wenig Industrie und somit nur eine geringe Anzahl qualifizierter Arbeitsplätze im Land. In der Vergangenheit waren daher viele Mosambikaner als Gastarbeiter im angrenzenden Südafrika tätig, doch mittlerweile ist auch dort der Arbeitsmarkt gesättigt.



Manuel Antonio Saimone
Der zweite Vertreter der Schule, Herr Manuel Antonio Saimone, unterrichtet seit 1992 die Kinder der 1. bis 5. Klasse in allen sechs Grundschulfächern. Die wichtigsten, so Herr Bequimane, seien dabei die Fächer Portugiesisch und Mathematik, die er selbst als einzige Fächer neben seiner Tätigkeit als Schulleiter unterrichtet. Portugiesisch ist die Unterrichtssprache in Mosambik und viele der Schüler sprechen von Haus aus nur eine der mosambikanischen Stammessprachen.

Zu den Studienmöglichkeiten für hochbegabte Schüler befragt antwortete Herr Bequimane, es gäbe wohl einige wenige Universitäten in Mosambik, etwa in der Hauptstadt Maputo an der Grenze zu Südafrika, doch seien diese für die allermeisten Schüler aus finanziellen Gründen unerreichbar. Vor dem Jahr 1990 hatten begabte Schüler durch Förderprojekte der damaligen DDR oft noch die Gelegenheit ein Studium in Deutschland zu absolvieren. Dies sei heute leider nur noch in wenigen Fällen und meist auch nur Kindern wohlhabender Familien möglich.

Die täglichen Probleme mit denen Lehrer und Schüler in Mosambik zu kämpfen haben, sind für uns nahezu unvorstellbar. Dass es etwa keinen eigenen Raum für die Lehrer gibt, in dem sie Ihre Unterrichtsstunden vorbereiten können, gehört da noch zu den kleineren Unzulänglichkeiten. Es fehlt auch die Möglichkeit Schüler und Lehrer während des Tages zu versorgen. Vor allem aber gibt es an der Schule derzeit weder Strom noch Wasser. So gehört auch der Bau eines Brunnens und die Einrichtung einer Kantine zu den Projekten, die durch den Hungener Verein gefördert werden sollen.

Lesen Sie hierzu auch den aktuellen Artikel im "Gießener Anzeiger" vom 12. April 2005

Verein Schulpartnerschaft mit Mosambik e.V.

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