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Bilingualer Unterricht an der Integrierten Gesamtschule Hungen

Fit for Science in Europe: Integrierte Gesamtschule Hungen setzt Zeichen mit Bilingualem Biologieunterricht in den Klassen 7 und 10. Ein Beitrag von Barbara Baumann.

(bb) Hungen, 25.3.2007
„Excuse me, do you speak English?“
Das ist ein Überfall. Natürlich kann ich Englisch! „Yes!“ antworte ich. Aber der Junge, sein Schild „Chair“ an einem roten Faden um den Hals gehängt, will es wirklich wissen. Er wartet, schaut mich an, dann wieder das Blatt in seiner Hand. “Yes, I speak a little English. My name is Fred, and who are you?“ sage ich. „Nasty weather, isn’t it?“ kommt es unbeeindruckt zurück, konzentriert auf das Vorlesen. Jetzt habe ich verstanden. „Yes, indeed, very nasty. My name is Fred, and who are you?“ und strecke ihm trotzdem hartnäckig meine Hand entgegen. Eine Sekunde nur blickt er angestrengt. „I’m Janosch! - Are you here on business?“ Ich fühle mich ertappt, ein wenig. Hätte jetzt aber doch auch gerne so einen Zettel. Janosch und seine Mitschüler der Klasse 7, die vor einigen Wochen schon durch die älteren Schüler über „Drugs“ und „Human Reproduction“ unterrichtet worden waren, können nämlich an einem besonderen Ereignis teilhaben: In der neuen Aula der Schule findet vom 20. bis 29. März 2007 der „London International Young Biologists’ Congress“ der Klasse 7b statt, an dem „Delegations from Spain, Russia, USA and Germany“ teilnehmen – vertreten von je 7 Schülern. Die Biologie- und Englischreferendarin der Schule, Barbara Baumann, hat dieses Event für ihre Schüler möglich gemacht. „You look a bit lost, can I help you?“ – Ein Grinsen über das ganze Gesicht, bietet mir einer aus der Gruppe 13-Jähriger seine Unterstützung an - doch nur er hat den Spickzettel mit dem passenden nonchalanten Tagungsjargon – ich nicht. Also versuche ich ein „Thank you, no problem. But perhaps you can tell me the way to the gentlemen’s room?” Leider ist dieses Bedürfnis nicht in seiner Sammlung enthalten, aber eine weniger elegante Ersatzvokabel hilft mir weiter.

Von entsprechendem „Congress Smalltalk“ authentisch begleitet, beschäftigen sich die Jugendlichen hier ein- bis zwei Mal pro Woche mit der schweren Netzhautbeschädigung des kleinen Danil, über dessen Schicksal sie sich bereits im Februar anhand eines Artikels der Frankfurter Rundschau informiert hatten. Es gilt, sich im Verlauf des Kongresses Detailkenntnisse zum Aufbau der Netzhaut anzueignen, um dem Jungen möglicherweise mittels modernster Bionic-Netzhauttechnologie zu besserem Sehen verhelfen zu können. Anhand englischsprachiger Materialen, sorgfältig angepasst an die verschiedenen Englischniveaus der A-, B- und C-Kurse der Jahrgangsstufe 7, erarbeiten die Schüler selbstständig Netzhaut-Rollenspiele in englischer Sprache. So könnten sie den Sehprozess im Spiel unmittelbar nachvollziehen, in ihrer körperlichen Erinnerung speichern, kreativ Lösungen entwickeln, erklärt mir ihre Lehrerin. Heute, am letzten Kongresstag, wird, wieder im Rollenspiel, ein Modell des Bionic Eye mit Retina-Implantat selbst entwickelt und dokumentiert. Die englische Sprache läuft nebenbei als Arbeitssprache mit: Wie selbstverständlich verwenden die Kinder nach einer Weile die englischen Fachbegriffe und übernehmen selbst schwierigere Rollen in der Organisation „ihres“ Kongress.

Und ich eigne mich perfekt als Trainingsgerät: „What do you expect from this congress?“ Ich bin eindeutig nicht vorbereitet auf diesen Test! „Äh... I would like to write an article about your congress. But I’m no biologist, I don’t understand many-ehm-much biology!” sage ich. Doch die Schülerin lacht verständnisvoll. Zum Glück. Ja, wenn ich wolle, könne sie mir auch so einen Zettel holen. Ja gerne, sage ich. Und bin irgendwie erleichtert, dass ich einfach mitspielen darf - mit Spickzettel. Und nicht so tun muss, als sei ich einer von der Sorte Schreiberlinge, dem „International Congress Smalltalk“ zur zweiten Natur geworden ist. „It’s rather crowded in here, don’t you think?“ lese ich. Dass mein Tihäitsch nicht so toll ist, weiß ich selbst. Aber das ist hier nicht so schlimm. Hauptsache man ist dabei.

„In bestimmten Situationen kommt man jedoch nicht darum herum, in dieser Jahrgangsstufe parallel auch die deutsche Sprache und vor allem viele visuelle und andere den Schülern unmittelbar eingängige Medien zu benutzen“, betont die angehende Lehrerin, die im Juni ihre Ausbildung abschließt. „Das Konzept des Bilingualunterrichts sieht vor, so viel wie möglich in der Fremdsprache zu bleiben. Aber Aufgabenstellungen zum Beispiel und auch die Sicherung der Fachbegriffe müssen besonders bei jüngeren Schülern immer auch in deutscher Sprache erfolgen. Hilfestellung können dabei die Fortgeschritteneren für die anderen übernehmen, aber es muss sichergestellt sein, dass alle Kinder die Aufgaben verstehen und am Ende auch die deutschen Fachbegriffe sicher erwerben.“ Da dies jedoch vergleichsweise viel Zeit in Anspruch nimmt, hätten Schulen mit durchgängigem Bili-Angebot die Stundenzahl für ihre Bili-Fächer ab der Klasse 7 erhöht, und sie böten den Kindern vorher, das heißt in den Klassen 5 und 6, mindestens eine Englischstunde mehr an, zum Teil über das Nachmittagsangebot, berichtet die Referendarin. Denn nur so könne der Lehrplan im Fach Biologie erfüllt und gleichzeitig die bilinguale Kompetenz der Kinder in der Fremdsprache wie in der Naturwissenschaft optimiert werden. Für die Schulleitung und die Fachleitungen bedeute dies in den jeweiligen Schulen einiges an organisatorischem Aufwand, auch wenn die Schulkonferenz ein solches Bilingualangebot unterstützt und die Lehrkräfte bereit sind, es dauerhaft anzubieten. Integrierte Gesamtschulen wie die Hungener IGS hätten es besonders schwer, wollen sie nicht auf den gemeinsamen Unterricht aller Schüler in der Mittelstufe verzichten und gesonderte Bili-Klassen, d.h. einen bilingualen Zug, genehmigen lassen. Diesen Weg sei zum Beispiel die IGS Rödermark gegangen, um eine ausgewählte Gruppe von Schülern besonders zu fördern, erwähnt Frau Baumann. Leichter sei es für die Kooperativen Gesamtschulen: Deren Schüler arbeiteten sowohl im Englisch- als auch im Biologieunterricht auf schulabschlussbezogenen homogenen Lernniveaus. Bilingualunterricht sei hier mit vergleichsweise geringem Aufwand sowohl bezüglich der Materialerstellung durch die Lehrkraft als auch der Schulorganisation zu verwirklichen.

Das Schöne an den Wahlpflichtkursen der IGS Hungen, aber auch an den Mini-Modulen für die Klasse 7 sei aber gerade, dass Schüler aller Englisch-Leistungsniveaus gemeinsam an ihren bilingualen Gruppenprojekten arbeiten könnten. „Diese Idee entspricht der durch PISA nun besonders bestätigten Vorstellung von gemeinsamem Unterricht in hohem Maße, und es profitieren sowohl die Stärkeren als auch die Schwächeren von der englischsprachigen Kooperation in ihren Bilingualprojekten“, so Schulleiter Ingolf Höfer. „Es ist gut denkbar, ein solches Bilingualangebot für bestimmte Fächer in Englisch, aber möglicherweise auch in Französisch, Russisch oder Italienisch, in unser Schulprogramm fest aufzunehmen, falls sich im Kollegium und in der Elternschaft dafür eine Mehrheit findet. Und zwar für die Mittel- und für die Oberstufe.“ Bedingung dafür sei jedoch eine Unterstützung der daran interessierten KollegInnen durch Fortbildung, geeignetes Lehrmaterial, intensive Kooperation und zeitliche Entlastung. Die von Frau Baumann 2006 durchgeführte Befragung habe aufgezeigt, dass erstaunlich viele, nämlich ziemlich genau ein Viertel der LehrerInnen der Schule, sich vorstellen können, in ihren Fächern Einzelelemente in englischer Sprache zu unterrichten. „Die mit Abstand größte Gruppe stellen dabei die Biologen an unserer Schule“, betont die Referendarin. Doch es gebe darüber hinaus mindestens 11 Lehrkräfte, also jede achte Person im Kollegium, die sich unter bestimmten Bedingungen gut vorstellen könne, ihre Fächer vollständig bilingual zu unterrichten, etliche auch in der Oberstufe, wie die Befragung gezeigt habe.

Ein beachtliches Potential, findet auch der Schulleiter. Doch bevor ein solcher Schatz möglicherweise für die Schüler einer Schule wie der IGS Hungen gehoben werden könne, sei Gremienarbeit angesagt. Der hessische Gesetzgeber unterstützt dabei die „Bilis“, denn seit Juni 2005 sollen, so die entsprechende Verordnung, bilinguale Unterrichtsangebote auch außerhalb bilingualer Züge eingerichtet, soll ihre Entwicklung in das Schulprogramm aufgenommen werden. „Das können schon kleinste Elemente, wie hin und wieder kleine fremdsprachliche, interessant bebilderte Texte oder auch Internetseiten sein. Die BBC zum Beispiel hat gerade auch für die Jüngeren tolles online-Material, für fast alle Schulfächer, und die Schüler können es mit angemessener sprachlicher Vorentlastung direkt benutzen“, schwärmt die Referendarin. Die Idee zu dem Bionic-Thema habe sie jedoch durch einen von ihr abonnierten Newsletter der britischen Science Lehrerorganisation ASE erhalten, deren Mitglied sie sei und deren Jahreskongress in Birmingham sie im Januar über eine Woche besucht habe. „Das englische Originalmaterial so umzubauen, dass ich es hier mit unseren A- und C-Kursschülern parallel verwenden kann, dauert aber meist Tage!“ sagt sie. Doch es sei sehr interessant, man lerne selbst immer wieder dazu.

Spaß scheinen auch die Jugendlichen zu haben an ihrem „Congress“-Spektakel. Einige Mädchen sortieren und üben ihre Rollen: „I’m a light ray! I’m reflected into your pupil by a pizza“ höre ich “PuPILL; das schreibt man doch nur so wie Schüler!“ kommt sofort die Hilfe ihrer Nachbarin. Ganz vorne, ihre Rollenkarten „Chair“ und „Assistant“ mit rückseitig integrierten Formulierungshilfen umgehängt, geben ein Junge und ein Mädchen die ModeratorInnen, bieten dabei den anderen immer wieder Hilfe zu ihren Aufgaben und Vokabeln an – in Englisch natürlich. Doch manchmal passt es nicht so ganz.. Dann geht es nicht weiter, und sie wechseln ins Deutsche. Doch gleich werde ich zum dritten Mal gefragt: „Can I get you a drink?“

Gerade in der Lebenswissenschaft Biologie entstehen zurzeit immer mehr internationale Studiengänge, arbeiten immer mehr Betriebe, auch des Mittelstands, mit internationalen Partnern eng zusammen – ohne Fachkompetenz in englischer Sprache kommt man da nicht weit, erläutert die Lehrerin. Diesen Bedarf hat man an der IGS Hungen für die Schüler erkannt: In Hungen können sie bereits seit dem Jahr 2003 in einem Nebenfach an bilingualem, d.h. überwiegend englischsprachigem Unterricht teilnehmen. Seit kurzem ist dies hier sogar ab der Klasse 7 möglich. Denn wie die Forschung zeigt, muss früh genug mit CLIL, dem „content language integrated learning“ – oft einfach „bili“ genannt – begonnen werden: „Ein Erfolgsmodell für die Förderung sprachlicher Kompetenzen sind bilinguale Angebote“, vermeldete Prof. Eckhardt Klieme vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung in seiner DESI-Studie im März 2006, nachdem er 38 neunte Klassen untersucht hatte, die ab der Klasse 7 in mindestens einem Nebenfach die „Arbeitssprache“ Englisch verwendet hatten. Nur so können sich z.B. während Biology oder Geography Stunden - beides anschauliche, somit gut geeignete Bili-Fächer – die begehrte Sprachfähigkeit und die internationale fachsprachliche Kompetenz ganz natürlich „nebenbei“ entwickeln, eine geeignete Didaktik vorausgesetzt. Seit Beginn des Schuljahres 2006/2007 hat die integrierte Gesamtschule Hungen gleich in zwei Klassenstufen ihrer Mittelstufe bilingualen Biologieunterricht im Angebot – und befindet sich damit mitten in der Zukunft Europas. Denn Unterricht in englischer Sprache auch in den Nebenfächern hat sich als überaus wirkungsvoll erwiesen, um später die lingua franca Englisch sicher und flüssig zu beherrschen und sich im europäischen wie globalisierten Berufs- oder Studienumfeld auch fachlich eloquent in der Fremdsprache ausdrücken zu können.

Doch dies darf nicht auf die wenigen Bili-Gymnasien und – vereinzelte – Realschulen beschränkt bleiben, sondern steht auch Gesamtschülern zu, fand im Jahr 2003 eine engagierte Geografielehrerin in Hungen. Seit jenem Jahr konnte die IGS Hungen daher Bilingualunterricht im Fach Geografie anbieten, zunächst in der Oberstufe, bald darauf auch im Wahlpflichtangebot für die Klassen 9. Dieses Angebot fand bei den Schülerinnen und Schülern guten Anklang, wie eine bereits im Jahr 2005 durchgeführte anonyme Befragung der Bili-Schüler durch eine Studentin der Justus-Liebig-Universität Gießen zeigte: „Die Jugendlichen halten es für sehr positiv, dass an ihrer Schule bilingualer Unterricht angeboten wird. Außerdem sind fast alle der Meinung, dass das Angebot ab Klasse 11 zu spät sei. Sie halten es für ihre Zukunft für sehr wichtig, in Englisch eine hohe Sprachkompetenz und einen großen Wortschatz zu haben“, befand deren Studie. Obwohl die Geografie-Lehrkraft die IGS Hungen im Sommer 2006 verließ, konnte die Schule das Bilingualangebot aufrecht erhalten: Angeregt durch das Beispiel ihrer engagierten Kollegin, hatte die Referendarin mit den Fächern Biologie und Englisch bereits im Frühjahr 2006 in zwei siebten Klassen mit ihren Schülern ein Mini-Bilingualmodul „The Eye“ über drei Unterrichtsstunden durchgeführt. Kein leichtes Unterfangen in dieser Altersgruppe, denn an der IGS Hungen wird der Biologieunterricht in der Mittelstufe als Kernunterricht, d.h. im Klassenverband, gehalten, während die Kinder aber im Fach Englisch auf drei verschiedenen Leistungsniveaus A, B und C getrennt unterrichtet werden. Also galt es, Biologie-Unterrichtsmaterial für mindestens zwei Englischniveaus herzustellen - selbst und damit mit viel Aufwand herzustellen, denn spezielle Bili-Materialien für deutsche Schulen gibt es erst seit wenigen Monaten, zudem bisher nur für Gymnasien. Von Seiten der Eltern und KollegInnen kamen denn – neben vielen positiven Rückmeldungen – auch große Bedenken, dass viele der Kinder überfordert würden und der Lehrplan Biologie zu kurz käme.

Aus ihren Erfahrungen und der bilingual-didaktischen Fachliteratur schöpfend, bietet Frau Baumann nun seit August 2006, im Vorlauf tatkräftig unterstützt und beraten durch die Schulleiter und die Stufenleitungen sowie einige Biologie- und EnglischkollegInnen, probeweise gleich in zwei Jahrgangsstufen speziell auf die Bedürfnisse der IGS-Schüler zugeschnittene Bilingualmodule an. Eine Gruppe von zwölf Schülerinnen und Schülern der Englisch A- und B-Kurse der Jahrgangsstufe 10 wählte den von der Referendarin angebotenen WPU Kurs „Bilingual Biology“ – und konnte damit mit Beginn des Schuljahres im August 2006 in ein aufregendes Projekt starten: Es galt, sich in Kleingruppen ein Thema aus einem 2006 erschienenen original Biology Schulbuch für den mittleren Abschluss in England, das GCSE, zu erarbeiten. Gegen Ende des Halbjahres war dann ein Englischkurs 12- bis 13-Jähriger der Klassen 7 und 8 von den Zehntklässlern selbst zu unterrichten: Eine Schulstunde lang Biology in English, mit von den älteren Schülern selbst gefertigten Materialien. Die Themen konnten sich die 15- bis 16-Jährigen dabei im Rahmen des Lehrplans der Jüngeren selbst aussuchen. Zur Vertiefung stand ihnen, neben dem Internet, die kleine Fachbibliothek der Referendarin mit an die 30 englischen Originalbänden zur Verfügung, vom Bestimmungsbuch über verschiedene Biologielehrbücher bis hin zu englischsprachigen Biologie- und Physikdidaktiken.

Die komplette Dokumentation der Schülerprojekte wie auch deren Entwicklung und Diskussion fanden in einem virtuellen Klassenzimmer lo-net1 im Internet statt – ebenfalls ausschließlich in englischer Sprache. „A real challenge!” so eine der Schülerinnen heute bei der Präsentation ihres Projekt-Portfolios. „First we were a little bit afraid that we should teach younger pupils, but then we had lots of fun with our group in the WPU course. For example with the micro-teaching when we had to try out our lesson by teaching it to our own course members – they simulated a very undisciplined class! But then, the real pupils respected us and were very interested in our lesson!” Auch ihre Lernerfolge können die Schüler klar benennen: “I think, I gained a lot of self-confidence because we had to cooperate in our group and teach biology in English to the younger pupils. I learned a lot of new vocabulary, and new things about my biology sub-topic.” beschreibt eine 16-jährige ihre Erfahrung mit dem Bilingualprojekt “Lernen durch Lehren”.

Nun wollen sie aber etwas ganz anderes machen: Nach draußen gehen, denn das Wetter sei schon so toll, man könnte was im Schulgarten aussäen. Im Computerraum ist die Luft wirklich schlecht, trotz der geöffneten Fenster. Die Referendarin freut sich: Ja, es gebe so viele geniale „outdoor science activities“, und zeigt mir eines ihrer vielen Bücher – es trägt diesen Titel, und es sieht noch ganz neu aus. Aber am allerliebsten würde sie jetzt schnell mal nach London fliegen, um noch ein paar anständige Bücher über school gardening zu finden – im online Buchhandel gebe es nichts Gescheites. Aber die FAO, die Food and Agriculture Organisation der UNO, habe schönes online-Material zu school gardening. Das hat sie schon vor Wochen ausgedruckt und nun mitten auf den Tisch gelegt. Denn ihr Laptop habe zwar wireless LAN Ausrüstung, aber die Abdeckung durch das Schulnetz reiche nicht bis zum Schulgarten.

Und außerdem müsse man auch mal wieder Lehrmaterial verwenden, das verknittere, Flecken kriege, reale und überdauernde Zeichen und Spuren des Gebrauchs. Virtuelle Identität und Vergangenheit hingegen, wie jetzt leider der lo-net1 Klassenraum ihrer bili-Lerngruppe, könne jederzeit durch die Betreiber abgeschaltet werden. Ich sehe das alte, zerfledderte Gartenbuch meines Vaters vor mir, ganz deutlich. Es riecht ein wenig muffig, und ich erinnere mich an das Bild vom Gärtner Pötschke: Wie er Erbsen im Abstand von 2 Zentimetern in die Erde drückt. Sie fühlt sich feucht an, ein wenig klebrig, ein wenig krümelig - genau richtig. Aber vorher soll ich erst noch mal nachlesen, werde ich erinnert: „How do we keep the soil rich? – This is the point about horticulture pupils need to understand,” sagt die Referendarin und schlägt dazu das Kapitel der FAO Broschüre auf. Die Illustrationen darin zeigen engagierte Schüler in Schulgärten und mit ihren LehrerInnen, viele vom schwarzen Kontinent – gerade so wie draußen im Flur die Fotos der Dorfschule in Mosambique, von der IGS Hungen vor Jahrzehnten gegründet und bis heute von der gesamten Schulgemeinde regelmäßig mit Spenden unterstützt. Biology in English verbindet nicht nur Europa.

Barbara Baumann (Bilingual-Projektleitung Klassen 7 und 10 der IGS Hungen)
(Schülernamen geändert)

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