Die kleine Zornnatter zeigt sich von ihrer sanften Seite
Schüler der Peter-Petersen-Schule untersuchen in Reptilien-AG eine bislang unbekannte Schlangenart aus Ägypten.
(tr) Normalerweise untersuchen die Drittklässler Pascal, Michelle, Lea, Anton, Alexander und Sascha mit ihrem Lehrer Chris Meier jeden Mittwoch Nachmittag Amphibien und Reptilien in ihren Lebensräumen, versorgen und betreuen die im Klassenraum heimische Äskulap- und Königsnatter oder beschäftigen sich mit Büchern und Filmen rund um das Thema. In den letzten Wochen haben sich die Mitglieder der Reptilien-AG nun mit einem ganz besonderen Tier beschäftigt: Es handelt sich um eine kleine, unscheinbare, 30 cm lange Natter, die ihrem Lehrer bereits vor zwei Jahren von einem Studenten der Uni Bonn übergeben wurde.
Die Drittklässler Pascal, Michelle, Lea, Anton, Alexander und Sascha mit ihrem Lehrer Chris Meier vor dem Terrarium mit ihrer »Sandfarbigen Wüstenzornnatter«.
Der Student hatte das Tier von einer zoologischen Exkursion aus dem ägyptischen Sinai mitgebracht und stellte fest, dass er das Tier keiner bekannten Art zuordnen konnte. Nach dem Studium sämtlicher für Nordostafrika beschriebenen Natternarten fand dann auch Chris Meier, der selbst bereits mehrmals als langjähriger Herpetologe in Nordafrika die dort lebenden Reptilienarten vor Ort untersuchte, zusammen mit den Schülern der Reptilien-AG heraus, dass das ihnen übergebene Tier tatsächlich keiner dort bekannten Art zuzuordnen war. Anhand der Augen und der Kopfbeschilderung lässt sich allerdings klar feststellen, dass die kleine Natter zur Gattung Coluber (»Zornnattern«) gehören muss; sehr ungewöhnlich für die normalerweise Mäuse- und Eidechsen fressenden und sehr bissigen Vertreter dieser Gattung ist allerdings die geringe Größe des ausgewachsenen Tieres, seine Friedfertigkeit und die Tatsache, dass es sich ausschließlich von Grillen und Heuschrecken ernährt.

Die »Sandfarbige Wüstenzornnatter« fühlt sich sichtbar wohl bei den Drittklässlern.
So machten sich die Schüler der Reptilien-AG an der Schule begeistert an die Arbeit, diese anscheinend noch nicht bekannte Art so genau wie möglich zu beschreiben. Von dem Tier wurden Makroaufnahmen gemacht. Dazu wurde seine Kopfbeschilderung zeichnerisch von den Kindern genau dargestellt, da diese für eine Schlangenart quasi eine Art »Fingerabdruck« darstellt. Das Tier wurde vermessen und gewogen, in einem von den Schülern verfassten Text in Verhalten und Aussehen beschrieben und zu guter Letzt sogar von einem Radiologen geröntgt, um eine genaue Darstellung des Knochenbaues zu erhalten. Nun sollen die Bilder, Zeichnungen und Röntgenaufnahmen in den nächsten Tagen dem Leiter des Frankfurter Exotariums, Dr. Wicker, übergeben werden. Dieser wird, als einer der weltweit führenden Herpetologen, das Tier dann noch einmal genau untersuchen, mit sämtlichen bekannten Artbeschreibungen vergleichen und gegebenenfalls das Tier als neue Art endgültig wissenschaftlich beschreiben. Einen vorläufigen Artnahmen haben die Schüler dem Tier bereits gegeben: Sie einigten sich auf den Namen »Sandfarbige Wüstenzornnatter«. (Fotos: tr)
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