HungenSchaufensterGesundheitFreizeitVereineWissenKulturKirchenAnzeigenmarkt
Samstag 17.05.08, 11.8°C
» Startseite / Hungen / Hungen 2006 / Jüdisches Leben in Hungen

Jüdisches Leben in Hungen

Einladung zu einem Gedenken aus Anlass des Judenpogroms in Hungen. Die 'Arbeitsgruppe Spurensuche' legt einen Stadtführer Jüdischer Geschichte in unserer Gemeinde vor.

Die Arbeitsgemeinschaft "Spurensuche" Hungen lädt ein zu einem Gedenken am Freitag, 10. November 2006, um 18.30 Uhr am Jüdischen Denkmal in Hungen, Friedberger Straße. Bitte bringen Sie Kerzen mit! Anschließend gegen 19.15 Uhr wird im Pferdestall des Hungener Schlosses von Schülerinnen und Schülern der Gesamtschule Hungen eine szenische Lesung mit Musik zum jüdischen Leben in Hungen dargeboten.

Am 10. November 1988 jährte sich zum fünfzigsten Mal der Judenpogrom in Hungen. Es war der Tag nach der berüchtigten Reichspogromnacht ("Reichskristallnacht"), in der im ganzen Land Juden drangsaliert, ermordet und beraubt wurden. Allerorten zerstörte man ihre Synagogen und verwüstete ihre Häuser und Geschäfte. Auch in Hungen wurden viele Juden verhaftet, ihre Geschäfte und Wohnungen demoliert und die Synagoge geschändet.



Nach dem Krieg war davon und auch nicht von der Flucht der meisten Juden, von der Deportation und der Ermordung von 38 jüdischen Bürgern die Rede. Im öffentlichen Bewußtsein war verdrängt, dass es hier einst zwei jüdische Gemeinden und zwei Synagogen gab. Nur die mehrfachen Zerstörungen auf dem jüdischen Friedhof riefen die Erinnerung an die ehemaligen Mitbürgerinnen und Mitbürger wach. Erst 1988 fanden sich einige Bewohner der Stadt zusammen, um ein Gedenken in der evangelischen Kirche und auf dem Friedhof zu organisieren. So entstand die "Arbeitsgruppe Spurensuche". Sie brachte die Broschüre "Der Judenpogrom in Hungen" heraus und setzte sich für die Errichtung eines Denkmals ein. Nach einigen Konflikten im Stadtparlament und seinen Ausschüssen gelang es, dafür eine Mehrheit zu gewinnen. Unter großer Beteiligung der Bevölkerung wurde das Denkmal im August 1990 eingeweiht. Zu diesem Anlaß präsentiere die Arbeitsgruppe Spurensuche ihre zweite Publikation, das Buch "Juden in Hungen". Zwei Jahre später beschmierten Rechtsradikale das Denkmal mit einem Hakenkreuz und der Aufschrift "Wir sind wieder da". Die Arbeitsgruppe Spurensuche rief zusammen mit anderen zu einer Protestkundgebung und zu einem Sühnefackelzug vom Marktplatz zum Judendenkmal auf, an dem sich über 100 Menschen beteiligten.



Seit 1998 lädt die "Spurensuche" an jedem 10. November zu einem Gedenken an dem Judendenkmal ein. Sehr oft sang bei diesen Anlässen der Hungener Chor "TonArt". Im Jahre 2004 wurde dieses Gedenken von einer Ausstellung begleitet, die den Bücherraub dokumentierte, den die Nazis unternommen hatten. In ganz Europa stahlen sie Bücher und Dokumente der Juden, um damit in Frankfurt ein "Institut zur Erforschung der Judenfrage" zu errichten, das nach dem Krieg den "Beweis für die internationale jüdische Verschwörung und die Perversität der sogenannten jüdischen Rasse erbringen" sollte. Diese Bibliothek wurde wegen der Bombardierung Frankfurts Ende 1943 nach Hungen ausgelagert. Zusammen mit Freunden aus Amsterdam, der jüdischen Gemeinde aus Gießen und der Freimaurerloge in Gießen wurde eine sehenswerte Ausstellung aufgebaut, die viele Besucher fand. Auch die Eröffnung und die gemeinsame Stunde am Judendenkmal fand großen Zuspruch.



Die Arbeitsgruppe Spurensuche veröffentlichte bei dieser Gelegenheit auch ein Buch, das den Titel trägt "Es war ihre Heimat". Es enthält eine Reihe von jüdischen Familiengeschichten, einen Essay über das jüdische Erwerbsleben und eine ausführliche Chronologie der Geschichte der Hungener Juden.

(A.d.R.: Auf dem Bild sehen Sie Frau Ingrid Meybohm anlässlich ihrer Verabschiedung als Lehrerin der GesaHu am letzten Tag vor den Sommerferien 2006. Noch einmal legt sie ihren Kolleginnen und Kollegen das in großen Teilen von ihr mitgestaltete Buch "Es war ihre Heimat - Jüdische Familiengeschichten aus Hungen" auch zur Lektüre im Unterricht ans Herz. Schließlich finden die Hungener Schülerinnen und Schüler mit den hier aufgezeichneten Familienschicksalen Hungener Juden wirkliche 'Geschichte zum Anfassen'.)

Jetzt legt die Arbeitsgruppe einen kleinen Stadtführer, auch wieder mit Familiengeschichten und historischen Daten vor, anhand dessen man die Orte in Hungen aufsuchen kann, wo die Synagoge stand, wo sich der Friedhof und das Denkmal befinden und wo die jüdischen Familien früher gewohnt hatten. Der Stadtführer ist in den Hungener Buchhandlungen, bei der Stadtverwaltung (Empfang) und in der Stadtbücherei für 3 Euro zu haben.

Die Arbeitsgruppe Spurensuche erreichen Sie über den Leiter des Kulturamtes der Stadt Hungen, Herrn Erhard Eller, unter Telefon: 06402 - 85 20.

KLEINANZEIGE
* 22-jährige Pädagogik-Studentin sucht Job als Babysitterin * Gerne auch kleinere und/oder mehrere Kinder. Gebe außerdem Nachhilfe in Deutsch und Englisch von der 1. bis zur 6. Klasse. Bei Interesse bitte melden per Telefon oder eMail.
Kontakt: Tel.: 06402-519266 E-Mail: Sunshine048@web.de