Hungener Ausstellung "Geheimsache Schloss Hungen" in Amsterdam
Seit dem 4. April 2006 wird im Niederländischen Kriegsdokumentationsinstitut (NIOD) in Amsterdam ein Teil der Hungener Ausstellung vom November 2004 unter dem Titel "Auf Transport" gezeigt. Die Ausstellung ist dort bis zum 30. Juni zu sehen.
Gezeigt wird der zweite Teil der Hungener Ausstellung, nämlich die kaum bekannte "geheime" Geschichte von den im Krieg geraubten jüdischen und freimaurerischen Büchern, die in Massen in Hungen und Hirzenhain aufbewahrt wurden, sowie deren Rücktransport über das Offenbach Archival Depot an die ursprünglichen Orte. In der Ausstellung werden - so wie in Hungen und Hannvover zuvor - auch geraubte Bücher aus Paris, Amsterdam und Den Haag gezeigt.![]() |
Der Ausstellungseröffnung war ein Symposium mit den Rednern F.J. Hoogewoud, Haarlem, E.P. Kwaadgras, Großosten der Niederlande, Den Haag und Abraham W. Rosenberg, Ets Haim, Amsterdam, vorausgegangen.
Frits J. Hoogewoud, der bis 2005 der Bibliotheca Rosenthaliana (UB Amsterdam) verbunden war, referierte zum Thema "Was machte das Institut zur Erforschung der Judenfrage in Hungen?". In seinem Diavortrag zeigte er die Plätze, u.a. das Schloss Hungen, wohin die in der Ausstellung gezeigten wertvollen Bücher, "deportiert" worden waren. Er zeigte auch die erst seit 2003 bekannte Serie von Fotos vom Inneren des Schlosses und der Hungener Spar- und Leihkasse und von einem amerikanischen Militär, April/Mai 1945. Seinen Vortrag widmete er dem beinahe 90-jährigen ehemaligen Direktor des Offenbach Archival Depot, Col. Seymour Pomrenze, der jetzt mit seiner Frau in New York lebt.
E.P. Kwaadgras (Großosten der Niederlande) versuchte in seiner Ansprache deutlich zu machen, dass die angeblichen Verbindungen zwischen Juden und Freimaurern im Denken der Nazis selbstverständlich und organisch waren. Hinter den Freimaurern und ihren weltweiten, geheimen Kontakten, gäbe es aus ihrer Sicht noch eine größere Macht: das Weltjudentum. Aus diesen Gründen wurden auch die Bücher der Freimaurer sichergestellt. Obwohl die niederländischen Freimaurer wussten, wie es ihren deutschen Brüdern ergangen war, glaubten sie nicht an ein ähnliches Schicksal in den Niederlanden. Aber bereits im September 1940 wurde der Besitz aller niederländischen Logen sichergestellt. Ihr Vorsitzender, Hermannus van Tongeren, starb in einem deutschen Konzentrationslager.
Abraham Rosenberg (Ets Haim- Livraria Montezinos, Bibliothek des Portugiesisch-jüdischen Seminariums) stellte in seinem Vortrag "Ein Kulturmonument lebt wieder" fest, dass Bibliotheken geraubt wurden und größtenteils zurückkehrten, Menschen beraubt und ermordet wurden und sehr wenige zurückkehrten und dass ebenso lokale, regionale und nationale Traditionen geraubt und größtenteils vernichtet wurden.
Als das Kulturmonument von Ets Haim mit der Rückkehr der Bücher wieder auflebte(1946/47), handelte es sich auch um den Erhalt des immateriellen Erbes. In diesem Rahmen wies Rosenberg auf ein bekanntes Epigramm des großen Renaissance-Gelehrten, des Amsterdamer Professor Caspar Barlaeus und des Amsterdamer Rabbiners, Druckers und Diplomaten Menasseh ben Israel hin, in dem die religiöse Toleranz im Vordergrund steht. Rosenberg ist überzeugt, dass - nach der großen Restauration der Bibliothek während der letzten Jahre - Ets Haim ihre Schätze für Unterricht und Studium erschließen kann und dass man so von einem Wiedererleben von Ets Haim sprechen könnte.
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Seitens der Stadt Hungen nahm Kulturamtsleiter und Stadtarchivar Erhard Eller an der Eröffnung der Ausstellung in Amsterdam teil. Für Eller ist die Ausstellung eines der wichtigsten Projekte seiner Tätigkeit bei der Stadt Hungen, zumal sie sich mit einem Thema beschäftigt, das über die lokalen Grenzen hinaus Interesse findet und auch einen Beitrag zur Völkerverständigung darstellt.
* In Hannover nahm man die Broschüre "Auf Transport!" als Heft 18 in der Reihe Lesesaal der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, 2005 (64 SS.) auf.
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