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Gewerbeverein übernimmt öffentliche Vorreiterrolle für Innenstadtdiskussion.

Der Vorstand des Gewerbevereins hat sich entschlossen, eine Podiumsdiskussion zu veranstalten, die nicht nur das derzeitige Hauptthema in Hungen, Situation nach Fertigstellung der Ortsumfahrung in der Innenstadt, behandeln soll.

(hgv) Große Podiumsdiskussion und Bürgerforum am Freitag, 28. April
Wie der Hungener Gewerbeverein 1834 eV mitteilt, ist für den 28. April um 20.00 Uhr eine große Podiumsdiskussion im Kulturzentrum Am Zwenger vorgesehen. Es ist geplant, über Möglichkeiten, die Attraktivität der Innenstadt, den Fortbestand des Einzelhandels öffentlich zu diskutieren. Außerdem will der Gewerbeverein über Möglichkeiten professioneller Hilfeleistungen der IHK und des Einzelhandeslverbandes informieren.



Steffen Müller, Vorsitzender des Gewerbevereins
Der erste Vorsitzende des Gewerbevereins, Steffen Müller, wünscht sich für Hungen eine andere Denkweise, eine, die über den Kirchturm hinaus gehe. "Was hilft es uns, wenn wir mit guten Einzelaktionen versuchen, auf uns aufmerksam zu machen, wenn das Gesamtkonzept nicht stimmig ist", so Müller in seinem Statement. "Viel wichtiger ist es, Hungen als "Marke" zu sehen, das "Ganze" zu betrachten, um eine höhere Wertschätzung in der Öffentlichkeit für unsere Stadt zu erzielen. Nur so könne man über die Grenzen von Hungen hinaus von unserer Stadt Reden machen. Nach neuesten Erkenntnissen der Marktforschung, so Müller weiter, müsse man sehr viel mehr Wert auf eine Pflege der "Marke Hungen" legen, um dadurch dann dauerhaft einen nachhaltigen Erinnerungseffekt zu erreichen. Nur so könne Image und Bekanntheitsgrad auf Dauer hochgehalten werden. Dass es noch ein langer Weg sei, wisse er. Aber der Gewerbeverein müsse jetzt mit dem Umdenken beginnen.

Für den Diskussionsabend hat der Gewerbeverein hochkarätige Fachleute eingeladen, so den Diplom-Wirtschaftsingenieur Markus Gilbert von der IHK Giessen-Friedberg sowie den Generalmanager des Vereins Mitte Hessen, Jens Ihle. Beide sind Fachleute auf den Gebieten Standortpolitik und Standortmarketing und werden Beispiele aus ihrer Arbeit vortragen. Ob man die auch für Hungen anwenden kann, soll an dem Abend erörtert werden. "Die Themen gehen alle an", so Müller, "wir hoffen, dass sehr viele Bürger von Hungen am 28. April ins Kulturzentrum kommen werden!"

Gewerbeverein will keine "Vereinsmeierei" betreiben
So will in Zukunft der Gewerbeverein seine Arbeit weitaus stärker auf die globalen Belange ausrichten und weg von dem "Vereinsmeiergedanken" gehen. "Wir sind kein Gesang- oder Karnevalverein, die haben andere Prioritäten. Wir im Gewerbeverein müssen daran arbeiten, unserer aller Kompetenz nach außen zu transportieren. Wir müssen lernen, stolz auf unsere Leistungen in der Wirtschaftsregion in und um Hungen zu sein, um das Erreichte mit dem nötigen Selbstbewusstsein nach draußen vertreten."

"Wir sind hier an einem starken Standort. Das müssen wir nur selbst erkennen und über die Grenzen hinaus transportieren", führt Müller weiter aus. "Der Gewerbeverein ist nicht dazu da, seine Kraft in die Ausrichtung von Festen und Einzelaktionen zu verschwenden. Der Vorstand könne es sich heutzutage nicht mehr leisten, auf dem Marktplatz Würstchen zu verkaufen und auf der anderen Seite gehe wertvolle Zeit für vorantreibende Basisarbeit verloren. Man müsse weitaus mehr politisch denken und arbeiten. Dazu gehöre auch ein verstärkter Kontakt zu den Fraktionen".

"Wir wollen mehr politisch arbeiten"
Aus einem kürzlich mit Vertretern der CDU geführten Runden-Tisch-Gespräch, informiert Müller, "dass man sich - und da sei man mit der CDU einer Meinung, mehr Verantwortungsbewusstsein seitens der Stadt gegenüber den Belangen der bereits ortsansässigen Gewerbetreibenden wünsche". "Man habe beispielsweise keinen mit Kompetenz ausgestatteten Ansprechpartner im Rathaus, wenn man als Gewerbetreibender Rat und Hilfe oder auch nur Informationen benötige. Viel zu oft würde über die langen Verwaltungswege das aktuelle Thema dann im Sande verlaufen." "Es gilt, dem bereits hier ansässigen Gewerbe es schmackhaft zu machen, hier zu bleiben und nicht durch aufkommende Frustration sich nach neuen Standorten umzusehen." Dabei erwähnt Müller, dass er die bisherige gute Zusammenarbeit mit den Gremien der Stadtverwaltung als vorbildlich ansehe, es dennoch im Einzelnen manchmal zu gewissen "Unzufriedenheiten" auf beiden Seiten gekommen sei.

"Wohnen und Einkaufen geht ohne Industrie nicht!"
"Sicher müsse sich Hungen weiter zu einer attraktiven Wohn- und Einkaufsstadt entwickeln, aber ohne eine gesunde Mischung von Allem - und dazu gehört auch das Großgewerbe in den Stadtrandlagen - funktioniert das nicht", so die Meinung von Müller. Müller könne nicht verstehen, "dass man einem Hungener Unternehmer derart massive Schwierigkeiten bereite und gegen eine geplante Betriebserweiterung Sturm laufe, so wie das jetzt im Fall der geplanten, neuen Putenzuchtanlage passieren würde.

Vorsitzender Müller bezieht Stellung zur Putenzuchtanlage. "Die Hysterie gegen die geplante Putenzuchtanlage ist nicht angebracht"
Er als Vorsitzender des Vereins müsse jetzt endlich einmal Stellung zu diesem Thema beziehen. Er sei in den vergangenen Wochen von verschiedenen Seiten mehrfach auf das Thema angesprochen worden und habe sich bisher neutral geäußert. Unter seinen Vorstandsmitgliedern würden die Meinungen zu Massentierhaltung, Geruchsbelästigung, Gewässerverunreinigung, u.s.w. sehr weit auseinander gehen.

Er persönlich vertrete den Standpunkt, "dass man den Genehmigungsbehörden vertrauen solle. Er gehe davon aus, dass alles nach den geltenden Vorschriften geprüft werden würde und sofern Bedenken gegen z. B. Gewässerverunreinigung oder Geruchsbelästigung in Betracht kämen, man mit baulichen Gegenmaßnahem diesen Themen zu Leibe rücken könne, oder aber man in letzter Konsequenz eine Betriebsgenehmigung dann nicht erteile."

Er bezeichne das jetzige Vorgehen der Gegner als "übertriebene Hysterie und halte die Aktionen der Bürgerinitiative für völlig überzogen. Überall würden Flugblätter herumliegen, und die Gespräche an den Biertischen hätten wenig mit sachlicher Argumentation zu tun.

Heutzutage gäbe es durchaus technische Möglichkeiten, gegen Emissionen jeglicher Art, insbesondere auch Geruchsbeseitigungen oder Verunreinigungen Geeignetes zu unternehmen. Er selbst werde in seiner Tätigkeit als Vertriebsingenieur regelmäßig mit Umweltfragen und zu lösenden derartigen Aufgaben konfrontiert, so Müller.

Jens Ihle vom Verein Mitte Hessen soll zeigen, wie man Hungen zur "Marke" macht
Die Industrie am Stadtrand, die Imagepflege von Hungen, der "Marke Hungen" und viele andere Belange, wie beispielsweise die zu erwartende Verkehrsführung in der Stadt, der dann evtl. zu erneuernde Straßenbelag, die Ein- oder Zweibahnlösung, die Art der Begrünung und die in Betracht kommenden Geldausgaben für die Hausbesitzer, sollen Themen sein, die auf der Podiumsdiskussion am 28. April im Kulturzentrum offen erörtert werden sollen, so stellt es sich der Gewerbevereinsvorsitzende vor.

Wie man es schaffen könnte, Hungen als Marke zu sehen, dazu hat der Gewerbeverein Jens Ihle, den Regionalmanager des Vereins Mitte Hessen eingeladen. Ihle wird am Beispiel seiner bisherigen Erfolge, die Region Mittelhessen zu vermarkten, aufzeigen, wie man es schafft, auch über die Grenzen von Hessen hinaus für einen starken Wirtschaftsstandort sinnvoll und effektiv zu werben und wie man Erfolg außerhalb des eigenen Bundeslandes erzielt. Er will berichten, wie man diesen Erfolg für sich gewinnbringend in der eigenen Region einsetzt. So wird er beispielsweise über seine Aktivitäten auf der im Herbst in München stattgefundnen Messe für Immobilienvermarktung berichten. Er wird uns sagen, so Müller, wie es gelingt, dass man neue Firmenansiedlungen hier her bringt.

Markus Gilbert von der IHK gibt Tipps zu "BID's" und "INGE"
Hessen hat seit dem 31.12.2005 ein neues "BID"-Gesetz. Was es mit den sogenannten "BID's ("Business Improvement Districts") auf sich hat und was Hausbesitzer, Gemeinde und Handeltreibende alles dazu beitragen können, will uns der Leiter des Geschäftsbereichs Standortpolitik, Markus Gilbert, erzählen. Müller: "In Giessen hat man bereits mit der Umsetzung des Projektes "BID" begonnen. Vielleicht ein praktikables Modell zur Rettung der Innenstädte?"

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