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Geisteszerrütteter Pfarrer sollte von den Gemeindegliedern rund um die Uhr bewacht werden

Der Heimatkundliche Arbeitskreis Villingen legt sein 15. Heft vor.

Im Mittelpunkt dieses Heftes steht das tragische Schicksal der Pfarrerfamilie Sellheim.
Zuerst das von Georg Sellheim, der von 1825-1832 Pfarrer in Villingen war, und der nach den Worten seines eigenen Sohnes und Nachfolgers im Amt Geisteskrank war; der Eintrag in die Chronik lautet: „... wegen erfolgter Geisteskrankheit die ihn gänzlich unfähig machte (...)“. Wir erleben wie die Kirchenbehörden die Villingener Gemeindeglieder völlig auf sich gestellt ließen und mit „guten Ratschlägen“ und mit unsinnigen Anordnungen einen Konflikt geradezu heraufbeschworen haben.

Da sollten Mitglieder der Gemeinde den Pfarrer rund um die Uhr beobachten und bewachen so schreibt die Kirchenbehörde u.a.: „... den Herren Pfarrer bei Tag und Nacht zu beobachten, und wenn man Getöse oder wohl gar Gewalttätigkeiten feststellen sollte, sich sofort zum Pfarrer zu begeben und zu dessen Sicherheit erforderliche Einschreitungen zu bewirken...“. „Sollte sich der Pfarrer von Villingen entfernen so soll man ihm in nöthiger Entfernung folgen, um für die nöthige Sicherheit des bedauernswerten Mannes zu sorgen.“ Da musste die Kirche während des Gottesdienstes abgeschlossen werden damit der kranke Pfarrer nicht stören konnte und dergleichen mehr. Es dauerte recht lange, bis man begriffen hatte, dass ein kranker Pfarrer in die Obhut einer Krankenanstalt gehört und die Gemeinde damit überfordert ist.

Das ganze Verfahren ist, aufgrund der Originalbriefe nachvollzogen, im Villingener Heft 15 dargestellt. Als dann noch sein Sohn Emil zum Nachfolger ernannt wurde kochte die Volksseele hoch, hier nur eine Formulierung aus dem Schriftverkehr der Gemeinde mit einem „Argument“ warum der neue Pfarrer ungeeignet sein sollte, weil er keinen Respekt in der Gemeinde genieße, der Bürgermeister schrieb damals u.a.: „.... der vor einigen Jahren noch im Kinderkittel herumlief und bis heute auch Pfarrers Emil genannt wird“.

Ein weiterer Beitrag beschäftigt sich ebenfalls mit der Familie Sellheim, er lautet: „Mussten Konfirmanden früher für den Pfarrer arbeiten?“

Der Langsdorfer Friede wird im nächsten Kapitel dargestellt und einige Sagen um die Entstehung von Hessen runden diesen Beitrag ab. Ein interessanter Bittbrief aus Villingen mit bemerkenswerter Orthographie und die Rätsel um eine alte Mauer in Villingen werden aufgezeigt. Auch zwei Familiennamen (Münch und Zaunschliffer) werden an Hand von alten Original-Urkunden behandelt. So bleiben noch zwei Beiträge über den Gesundheitszustand der deutschen Soldaten 1870/71 und über die Teilnahme von Einwohnern aus Villingen an der Niederwerfung des Boxeraufstandes in China. Ein kurzer Blick auf die Gemeindeschulden des 17. Jahrhunderts zeigen verblüffende Ähnlichkeiten mit der Gegenwart.

Verfasser des Heftes mit rund 80 Seiten ist der Heimatkundler Heinz P. Probst aus Grünberg-Queckborn. Zu erhalten ist das neue Heft in den beiden Bankfilialen und in der Kirche in Villingen für einen Unkostenbeitrag von € 2,50. Die Hefte können auch per Post (zuzüglich Versandkosten) bezogen werden; Bestellungen bei Otto Rühl unter Telefon: 06402 - 23 78.

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