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Karl Reinhardt - Hungener Heimatdichter, Romanautor und Maler

Im letzten Erzählcafé erinnerte Ingrid Meybohm, unterstützt von Ruth Reinhardt, an den bekannten, kreativen Sohn der Stadt, nach dem die Stadtväter eine Gasse hinter seinem Elternhaus benannt haben.

Karl Reinhardt wurde 1895 in Hungen geboren. Seine Eltern Margarethe und Heinrich Reinhardt besaßen ein Porzellangeschäft und eine Glaserei in der Untertorstraße - heute Haus Burgstaller. Drei Geschwister, Heinrich, Luise und Hermine wuchsen mit ihm gemeinsam auf.



Er besuchte in Hungen die Schule und auf Betreiben des Lehrers die Präparantenschule, das Lehrerseminar, in Friedberg. Seine 1. Lehrerstelle war in Garbenteich, dann Herbstein. Er war sehr sportlich, ein leidenschaftlicher Fußballer, der seine Schüler zu dem damals im Vogelsberg noch weitgehend unbekannten Sport begeistern konnte. Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges betreute er auf Schloss Eisenbach bei Lauterbach verwundete Soldaten, machte Sport mit ihnen und leitete einen Chor. Doch später wurde auch er als Soldat eingezogen und verwundet.



Seine erste Stelle nach dem Krieg war in Hitzkirchen. Bei einem Lehrertreffen lernte er Ottilie Schneider, die Tochter eines Kollegen kennen, und heiratete sie bald darauf. 1923 wurde Sohn Hans-Heinrich geboren, 1924 Karl Horst. Ab 1925 war er Lehrer in Merkenfritz, wo 1927 Tochter Ruth geboren wurde. Hier entstand der erste Roman, ein Krimi, der als Fortsetzungsroman in der Tageszeitung erschien. Niemand wusste, dass er der Autor war, er hatte großen Spaß dabei. Leider ist dieser Roman nicht erhalten geblieben.

So wichtig diese Jahre als Lehrer und Familienvater im Vogelsberg auch waren, die Kindheits- und Jugendjahre in Hungen prägten ihn sehr.



1930 erschien das Buch: „Sohn des Irrbühls“ . Schauplatz des Romans ist die Stadt Hungen und ihre Umgebung. Die Personen sind zwei Jugendgruppen, die sich erbittert bekämpfen. Die eine Gruppe hat ihr Lager in einer Höhle im Irrbühl, ein Waldgebiet an der Schottener Straße. Daher hat auch das Restaurant „Zum Irrbühl“ seinen Namen. Die andere Gruppe hat ihren Bereich auf dem Gelände des stillgelegten Eisensteinbergwerkes der Mannesmann AG zwischen der Straße nach Friedberg und dem Eisenbahndamm. Ihre Höhle lag in der Hungener Schweiz nahe der Untermühle und wurde später noch von einigen Generationen von Jugendlichen benutzt. Der Bergwerksstollen, der im Roman eine Hauptrolle spielt, dient heute als Vorratskeller und ist versperrt. Die Höhle im Irrbühl und eine alte Weide, auf der man gut träumen konnte und Liebespaare sich trafen, sind schon lange verschwunden. Eingeflochten ist eine Liebesgeschichte, in der das heute noch bestehende Haus Hubertus in der Friedberger Straße beschrieben wird. Durch Erlebnisse im 1. Weltkrieg, in dem viele der Kameraden fielen, wurden die einstigen Feinde zu Freunden.

Diese erste Ausgabe widmete Karl Reinhardt seinen gefallenen Kameraden aus dem 1. Weltkrieg. Die Verkehrsverhältnisse im tiefen Vogelsberg waren damals noch sehr schlecht, so dass er 1933 eine Stelle in Offenbach annahm, um den drei Kindern den Schulbesuch und das Studium zu erleichtern. Während des 2. Weltkrieges fielen seine beiden Söhne in Russland. Die 2. und 3. Auflage seines Buches widmete er seinen Söhnen.

Während seiner Lehrertätigkeit im Vogelsberg, damals sprachen alle noch Dialekt, begegneten ihm manche humorvollen Ereignisse oder wurden ihm überliefert. In den Nachkriegsjahren verwertete er die im Vogelsberg gesammelten Geschichten und schrieb daraus Gedichte oder Erzählungen in Mundart, ergänzt durch Gedichte über den Vogelsberg, die seine Liebe zu dieser Landschaft deutlich machen. 1950 veröffentlichte er den Band: „E beßche Hessisch“ und hielt etliche Mundartlesungen. Erika Kohlheyer las im Erzählcafé einige seiner Gedichte und kleinen Erzählungen zum großen Vergnügen der Zuhörer. Besonders bekannt wurde seine Geschichte vom „Bürgermeister von Meiches“, der den Großherzog in Darmstadt besucht.

Neben dem Schreiben war schon immer Malen sein großes Hobby. Insbesondere Hungener Motive wie das Schloss, das Amtshaus (heute im Hessenpark), die Kirche, Drei Teiche wurden ergänzt durch Sehenswürdigkeiten oberhessischer Dörfer und Landschaften. Seine Bilder wurden in der Hungener Bank ausgestellt. Die 2. stark erweiterte Auflage von „E beßche Hessisch“ 1977 erschien mit etlichen Abdrucken seiner Bilder, ebenso enthielt die 3. Auflage seines Buches „Sohn des Irrbühls“ viele seiner Federzeichnungen.

Ruth Reinhardt hatte einige seiner Bilder zum Erzählcafé mitgebracht, die allen so gut gefielen, dass spontan beschlossen wurde, im Herbst eine Ausstellung mit Bildern von Karl Reinhardt zu gestalten. In vielen Hungener Familien hängen seine Bilder und könnten in der Ausstellung gezeigt werden. Wer dazu bereit ist, bitte melden im Erzählcafé oder unter der Telefonnummer 06402- 7354.

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