Ein 'Mehrgenerationenhaus' für Hungen!
Hungen bewirbt sich um den Standort für ein Mehrgenerationenhaus im Landkreis Gießen. Bürgermeister Klaus Peter Weber wird den Vorschlag des 'Vereins zur Förderung einer Stätte der Begegnung, Beratung und Kultur' in einer nächsten Sitzung dem Magistrat vorlegen. Stimmt dieser zu, kann der Antrag fristgerecht auf den Weg gebracht werden.
Das Hungener Bündnis für FamilienVor nicht allzu langer Zeit - im Dezember 2006 - wurde in Hungen unter reger Beteiligung der Öffentlichkeit das Hungener Bündnis für Familien gegründet. Dieses Bündnis soll u.a. in nächster Zukunft Vorschläge erarbeiten, auf welche Weise die sozialen Einrichtungen der Gemeinde miteinander vernetzt werden können, um so die Attraktivität unserer Stadt für Familien zu erhöhen. Zu diesem Zweck wurden zunächst einmal vier Arbeitsgruppen gebildet - sogenannte 'Runde Tische' für Kinder, Jugend, Senioren und Kommunikation.
In den vergangenen Wochen haben sich die Teilnehmer der Runden Tische zu ersten Arbeitstreffen in den Räumen der Stadtverwaltung eingefunden. Die aktuelle Situation in Hungen wurde dabei ausgiebig diskutiert und Vorschläge für das weitere Vorgehen des Bündnisses eingebracht.
Vor wenigen Tagen erreichte uns nun ein Hinweis aus dem Teilnehmerkreis auf eine Förderaktion des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Diese hat bereits vor einiger Zeit ein Förderprogramm ins Leben gerufen, über das bestimmte Einrichtungen in Städten und Landkreisen, sogenannte Mehrgenerationenhäuser, finanziell unterstützt werden sollen. Nachdem bereits 200 solcher Häuser in Deutschland ihre Tätigkeit aufgenommen haben, beginnt in diesem Frühjahr die letzte Ausschreibung für die restlichen 239 Förderprojekte.
Das Hungener Kulturzentrum als Standort für das Mehrgenerationenhaus des Kreises
Mit dem Hungener Kulturzentrum ist eine solide Basis für ein solches Mehrgenerationenhaus in unserer Stadt vorhanden. Damit bietet sich uns die Möglichkeit, das Hungener Bündnis für Familien mit konkreten Inhalten zu füllen und darüber hinaus auch eine nicht unbeträchtliche Fördersumme vom Bund in Anspruch nehmen zu können. Es geht dabei immerhin um einen Betrag von 200.000 Euro verteilt auf fünf Jahre.
Was ist ein Mehrgenerationenhaus?
Für Menschen verschiedenen Lebensalters bietet ein Mehrgenerationenhaus Raum, sich ungezwungen zu begegnen und gegenseitig von den jeweiligen Kompetenzen der Anderen zu profitieren. Es ist ein offener Ort, an dem gegenseitiger Austausch von Jung und Alt und Unterstützung von Familien neu gelebt wird. Es vernetzt Nachbarschaftshilfe und soziale Dienstleistungen in der Region und wird so zu einer lokalen Drehscheibe – auch für haushaltsnahe Dienstleistungen. Dort treffen sich Angebot und Nachfrage.
So entsteht ein Generationen übergreifendes Netzwerk, in das sich jeder und jede mit den persönlichen Fähigkeiten einbringen kann. An diesem bunten Marktplatz von Dienstleistungen um das Mehrgenerationenhaus herum beteiligen sich Schulen, Vereine, Bibliotheken, Feuerwehren und andere kommunale Einrichtungen. Darüber hinaus soll ein Mehrgenerationenhaus mit örtlichen Unternehmen zusammenarbeiten: Es verkauft seine Dienstleistungen an kleine und mittelständische Betriebe, aber auch an große Firmen.
In einem Mehrgenerationenhaus arbeiten Freiwillige und professionelle Kräfte eng zusammen. Nur so kann das geboten werden, was vor Ort auch tatsächlich benötigt wird. Auf diese Weise bildet das Mehrgenerationenhaus ein Forum, in dem private und freiwillige Initiativen mit staatlichen Leistungen verbunden werden können.
Die Ziele des Bündnisses für Familie decken sich somit in vielen Punkten mit denen der Idee des Mehrgenerationenhauses.
Doch nicht allein das vorhandene Kulturzentrum und seine Einrichtungen sprechen für die Stadt Hungen als Standort des Mehrgenerationenhauses für den Kreis Gießen. Die Gesamtschule, das Altenheim, ein reiches kulturelles Angebot durch den Kulturkreis und den Freundeskreis Schloss Hungen, die sozialen Einrichtungen zur Kinderbetreuung, das Jugendzentrum, die Stadtbücherei, der Hungener Tauschring, die Beratungseinrichtungen von ProFamilia und die Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle für Jugend- Drogen- und Suchtberatung - die Liste würde sich noch durch viele Positivposten erweitern lassen.
Hungen hat viel zu bieten! Wir sollten endlich auch einmal mit unseren Pfründen wuchern und nicht länger unser Licht unter den Scheffel stellen. Vieles spricht für den Standort Hungen. So etwa nicht zuletzt auch die verkehrsgünstige Lage am süd-östlichen Rand des Kreisgebietes.
In jedem Landkreis kann es nur ein solches Haus geben!
Wenn wir in den nächsten Wochen alle an einem Strang ziehen, stehen die Chancen für Hungen nicht schlecht das Rennen zu machen. Wichtig ist nun, dass wir unsere gemeinsamen Interessen bündeln. Gefragt sind nicht zuletzt auch die Hungener Gewerbetreibenden, die Vertreter von Vereinen, der Kirchen, der Schulen, der sozialen Einrichtungen und der Stadt. Ihre Ideen werden gebraucht!

Was ist das Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser?
Das Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser überträgt das Miteinander der Generationen vom privaten in den öffentlichen Raum. Es nutzt das Erfahrungswissen und die Potenziale aller Generationen – und aktiviert somit soziales Kapital.
439 Mehrgenerationenhäuser gleich 439 Anlaufstellen
Der Bund fördert 439 Mehrgenerationenhäuser – eines in jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt. Das sind 439 verlässliche Anlaufstellen, in denen sich Menschen jedes Lebensalters begegnen. 439 Orte, an denen ältere Menschen wieder eine Aufgabe finden können, an denen sie gebraucht und gefordert werden. 439 Orte, die helfen, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren, Kinder früh zu fördern und Menschen für den Einstieg oder den Wiedereinstieg in den Beruf zu qualifizieren. Im Laufe des Jahres 2007 nehmen alle 439 Häuser ihre Arbeit auf. Sie werden jeweils über einen Zeitraum von fünf Jahren mit jährlich 40.000 Euro vom Bund gefördert.
Ein bunter Marktplatz von Dienstleistungen
Mehrgenerationenhäuser bieten vielfältige Leistungen an. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Vermittlung von Dienstleistungen rund um Haushalt und Familie. Um die Häuser herum entsteht ein bunter Marktplatz von Angebot und Nachfrage, der Familien entlastet. Zum Beispiel durch die Vermittlung von Haushaltshilfen, Wäscheservice oder Kinderbetreuung. Dabei richten sich die Angebote ganz nach den Bedürfnissen der Menschen vor Ort.
Kompetenzen fördern
Jedes Alter hat viel zu bieten. Diese Potenziale werden in den Mehrgenerationenhäusern aufgegriffen und genutzt. Niemand ist zu alt, um zu lernen. Eine der Ideen des Aktionsprogramms ist deshalb, unterschiedliche Kompetenzen zu fördern – in der Gemeinschaft und im Umgang miteinander. Dabei werden nicht nur professionelle Kräfte diese Aufgaben übernehmen, sondern vor allem die Menschen aus der Nachbarschaft. Sie sind diejenigen, die helfen, Wissen zu vermitteln, und die ihren Erfahrungsschatz teilen.
Alle ziehen an einem Strang
Mit dem Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser setzt die Politik auf einen Mix, der private und freiwillige Initiativen mit staatlichen Leistungen verbindet. Mehrgenerationenhäuser kooperieren mit Unternehmen und aktivieren bürgerschaftliches Engagement. Dabei ziehen alle an einem Strang: die Politik, bürgerschaftlich Engagierte und professionelle Kräfte, Träger von Einrichtungen sowie die Nutzer und Nutzerinnen eines Mehrgenerationenhauses. Das Aktionsprogramm ist Teil einer ganzheitlichen und nachhaltigen Familienpolitik, die die individuellen Bedürfnisse der Menschen berücksichtigt.
Im Frühjahr 2007 beginnt die zweite und letzte Ausschreibungsphase des Programms.
200 Mehrgenerationenhäuser haben bereits ihre Arbeit aufgenommen. Bis Ende des Jahres sollen 439 in ganz Deutschland entstehen. Ab dem 16. April können sich weitere Einrichtungen und Projekte um die Aufnahme in das Aktionsprogramm bewerben.
Für den Landkreis Gießen wurde bisher noch kein Projekt vergeben. Hier sehen wir eine riesige Chance für unsere Gemeinde!
Sieben Mindestkriterien sind zu beachten
Es gibt sieben Mindestkriterien für Mehrgenerationenhäuser, die für eine erfolgreiche Bewerbung unbedingt berücksichtigt werden müssen:
1. Einbeziehung der vier Lebensalter:
Kinder und Jugendliche, Erwachsene, Seniorinnen und Senioren und Hochbetagte
2. Entwicklung als Informations- und Dienstleistungsdrehscheibe vor Ort
3. Generationsübergreifende Angebote
4. Kinderbetreuung
5. Einbeziehung der lokalen Wirtschaft
6. Offener Tagestreff mit Cafeteria/Bistro
7. Zusammenwirken von Haupt- und Ehrenamtlichen auf gleicher Augenhöhe;
starke Einbeziehung des bürgerschaftlichen Engagements
Merkmale
Jedes Mehrgenerationenhaus im Aktionsprogramm erfüllt sieben Mindestkriterien. Darüber hinaus sollten seine Angebote und Leistungen eine Reihe von weiteren Merkmalen aufweisen. Hier erfahren Sie, welche das sind.
Mehrgenerationenhäuser ...
* ... fördern das Miteinander in der Region und sind Teil der Öffentlichkeit.
Sie regen die öffentliche Diskussion an und mischen sich in Meinungsbildungsprozesse ein.
* ... arbeiten mit dem Ressourcenansatz und nach dem Prinzip der Gegenseitigkeit.
* ... beziehen beide Geschlechter, unterschiedliche Milieus und Kulturen ein -
zum Beispiel auch mit Angeboten für frühere "Gastarbeiter" im Seniorenalter.
* ... vernetzen sich untereinander - zum Beispiel indem sie anderen Häusern ihre Erfahrungen und Arbeitsmaterialien zur Verfügung stellen (Kalkulationen, Erfahrungsberichte, Anleitungen etc.).
* ... integrieren vor Ort vorhandene Bildungs- und Beratungsangebote.
* ... fördern Kunst- und Kulturangebote.
* ... kooperieren mit Vereinen, zum Beispiel Sportvereinen.
* ... kooperieren mit Unternehmen, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu fördern und die Beschäftigungsfähigkeit insbesondere von Frauen zu erhöhen.
* ... fördern aktiv das bürgerschaftliche Engagement und bieten Freiwilligen vielfältige Möglichkeiten sich einzubringen.
* ... unterstützen Freiwilligennetzwerke, die auf Selbsthilfe und Austausch beruhen. Zum Beispiel von Müttern und Vätern, die sich gegenseitig bei der Kinderbetreuung unterstützen.
* ... führen regelmäßige Erfolgskontrollen durch, überprüfen regelmäßig ihre Ziele und entwickeln ihr Angebot ständig weiter.
* ... entwickeln eine Zeitstruktur, die auch für Berufstätige attraktiv ist.
* ... unterstützen Eltern in der Erziehungskompetenz und erarbeiten Angebote für Risikofamilien.
* ... motivieren Personen aus einkommensschwachen und bildungsfernen Verhältnissen.
* ... stellen ihren Nutzerinnen und Nutzern Computer mit Internetanschluss zur Verfügung.
Diskutieren Sie mit uns und bringen Sie Ihre Vorschläge ein. Unterstützen Sie aktiv unsere Forderung nach einem kulturellem und sozialem Zentrum in unserer Stadt und helfen Sie dabei, dass Hungen - auch und gerade nach der Fertigstellung der lange herbei gesehnten Ortsumgehung - nicht an den Rand gedrängt wird, sondern vielmehr zu einem neuen Zentrum und Anziehungspunkt für die Menschen der Region wird!
Umfassende Informationen rund um das Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser finden Sie auf den Seiten des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend:
Mehrgenerationenhaus
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Kontakt: Tel.: 06402-9005




